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Der Fall der Krückemeyer GmbH zeigt, wie es geht: 2014 übernahm das Unternehmen aus dem Sauerland seinen niederländischen Geschäftspartner Tapir B.V. aus Emmen. Beide Unternehmen stellen selbst klebende Stanzteile verschiedenster Art her. Die Produktpalette reicht von Nagelfeilen über Radkastenverstärkungen für Geländewagen bis hin zu Produkten in der Medizintechnik. Für den Geschäftsführer Jan Krückemeyer war die Übernahme die Chance, sein Unternehmen zu vergrößern. Doch die Idee kam damals von Tapir-Geschäftsführer Jacques Janson, der auf der Suche nach einem Nachfolger war. MARKT sprach mit den beiden Geschäftsführern.

Sie sagen, die Betriebsübernahme hat bei Ihnen auf beiden Seiten zu einem Mehrwert geführt. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

JANSON Eine Sache, die ich gelernt habe: Mit der Suche nach einem Kooperationspartner muss man frühzeitig beginnen. Das ist für beide Seiten von Vorteil. Das übernehmende Unternehmen möchte den alten Eigentümer so lange wie möglich dabeihaben, um seinen Input zu nutzen. Für den ausscheidenden Unternehmer ist es schön, weil er noch die Energie hat mitzuwirken. Ich selbst habe 2013 versprochen, noch zwei Jahre dabei zu bleiben. Jetzt sind wir fünf Jahre weiter. Das zeigt, dass es einfach schön ist.

KRÜCKEMEYER Aus heutiger Sicht kann ich da nur zustimmen. Der gesamte Prozess braucht Zeit. Wichtig sind aber gerade auch die persönlichen Beziehungen. Ich kenne viele deutsche Mittelständler, die ein anderes Unternehmen aus strategischen Gründen übernehmen und sagen: Das soll so werden wie das deutsche Unternehmen. Wir haben uns von Anfang an ganz bewusst dagegen entschieden und gesagt: Tapir bleibt selbstständig, operiert auch selbständig, aber wir suchen die Synergien im Hintergrund. Das ist ein gutes Rezept, um sich international zu erweitern: die Marktgegebenheiten, die Kultur, die Kunden und die Lieferantenbeziehungen auch wirklich eigenständig zu belassen, aber voneinander zu lernen.

Voneinander lernen. Tapir B.V. in Emmen und die Krückemeyer GmbH in Wilnsdorf stellen beide selbstklebende Produkte her. Was sind die Gemeinsamkeiten, was die Unterschiede der beiden Unternehmen?

JANSON Wir liefern beide Produkte mit einem Mehrwert. Der Abnehmer, meist ein Industrieproduzent, nutzt unser Produkt entweder in seinem Endprodukt oder, um sein Endprodukt herzustellen. Wir liefern in den Niederlanden an 62 Branchen und versuchen unsere Produkte so zu konzipieren, dass Kunden sie so einfach und so effizient wie möglich verarbeiten können. Bei Tapir generieren wir momentan rund 72 Prozent unseres Umsatzes durch Converting, die Bearbeitung von Produkten.

KRÜCKEMEYER Bei Krückemeyer haben wir neben Klebebändern und selbstklebenden Stanzteilen noch ein weiteres Produkt: Schleifmittel. Unser USP ist, dass wir diese Materialien auch miteinander kombinieren können, um daraus ein neues Produkt werden zu lassen. Ein weiterer großer Unterschied zwischen unseren Häusern ist, dass unser Anteil des Convertings bei weitem nicht so hoch ist wie bei Tapir.

ISABEL MARANT ISABEL Sandalen MARANT Sandalen Ihre Zusammenarbeit begann 2009 als klassische Handelsbeziehung. Wie kam es dann zur Unternehmensübernahme 2014?

JANSON 2010/2011 wurde mir bewusst, dass ich noch ungefähr fünf Jahre arbeiten muss. Ich sah bei vielen Kollegen, dass sie bis zu ihrem 65. Lebensjahr gewartet haben und dann erst ihr Unternehmen verkauft oder Kooperationen gesucht haben. Wir bei Tapir haben geschaut, was unsere Stärken und Schwächen sind, welche Marktchancen wir sehen und welche Partei am besten dazu passen würde. Krückemeyer stand dabei auf dem ersten Platz. Ich dachte, dass wir zusammen wirklich eine starke Kombination bilden können.

Im November 2011 gab es die ersten Gespräche. Wie war es für Sie, Herr Krückemeyer, als Sie von Herrn Jansons Vorschlag hörten?

KRÜCKEMEYER Es passte zu unseren Ideen, die wir hier in der Geschäftsführung hatten. Wir wussten, dass wir uns anders positionieren müssen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Weil wir sonst selbst mit unseren 60 Mitarbeitern und unserem Jahresumsatz Gefahr gelaufen wären, uns ins Abseits zu bringen.

Welche Vorteile bot Ihnen die Übernahme?

Sandalen MARANT ISABEL ISABEL Sandalen MARANT KRÜCKEMEYER Für uns bringt das große Synergien. Wir haben zum Teil gleiche Lieferanten, gleiche Fertigungstechniken, aber eben auch Unterschiede. Zum Beispiel ist die Firma Tapir um Jahre voraus in der Laserschneidetechnik, die wir bei uns gar nicht haben. Wir können auf diesem Weg unser Wissen zusammenbringen und gemeinsam nutzen, um unseren Erfolg für beide Unternehmen weiterzuführen.

Gab es Hindernisse dadurch, dass es sich hier um ein deutsches und ein niederländisches Unternehmen handelte?

KRÜCKEMEYER Wenn ich Vorträge halte, schwärme ich immer davon, wie entspannt das niederländische Recht ist und wie bürokratisch dagegen das deutsche. Es fängt an bei den Verträgen an und geht bis zum Notar. In vielen Punkten sind die Niederlande einfach deutlich investitionsfreundlicher, als das in Deutschland der Fall ist mit den vielen bürokratischen Auflagen und Regularien. Für mich war es vor allem kulturell spannend zu sehen, wie die beiden Firmen nach der Übernahme zusammenwachsen.

JANSON Ich habe mit deutschen Geschäftspartnern immer positive Erfahrungen gemacht. Wenn wir miteinander absprechen, dass wir etwas tun, dann tun wir das auch. Und das ist eine enorme Stärke. Mit belgischen oder französischen Firmen habe ich das Gegenteil erlebt. Dort sagt man: Ja. Aber ob das dann auch umgesetzt wird, ist die Frage.

Tapir arbeitet auch zukünftig unter dem alten Namen, Krückemeyer überlässt die Führung eigentlich vollständig den Niederländern. Was hat sich durch die Unternehmensübernahme geändert?

JANSON Wir haben die Vision und die Mission der beiden Unternehmen miteinander abgestimmt. Wir haben Entscheidungen getroffen, wer sich worauf konzentriert. Wir richten uns in Emmen vor allem auf die Lasertechniken, Krückemeyer auf die anderen Techniken, die es gibt. So können wir beide von den Stärken des anderen profitieren und gemeinsam schneller wachsen.

KRÜCKEMEYER Auch wenn wir ein bisschen größer sind als Tapir, haben wir viel von den Niederländern gelernt. Vor fünf Jahren hatten wir noch keine Vision und keine Mission.

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